Im Umzugswust findet man so einiges: Einsame Socken hinter der Kommode, Fussel, vermisste Unterlagen in den Schubladen, noch mehr Fussel, lange nicht mehr getragene Klamotten im Schrank, fusselige Wollmäuse, einen alten Tannenbaumständer (wo kam der denn her? *huch*), viele tote Spinnen, hinters Bett geplumpste Plüschtiere und, ja, alte Kalender.
Kennt die noch wer? Papierkalender? In Zeiten von Smartphone, die sich - hokus pokus - mit dem Heim-PC synchronisieren, ist das Gekritzel auf dem Kalender ja wirklich oldschool. Oder?
Ich zumindest hatte in meiner Teeniezeit diese grausam kitschigen Monatskalender gemocht, mal mit Katzenbabies, mal mit Einhörnern, mal mit Sonnenuntergängen oder putzigen Gartenimpressionen. Bekrakelt wurden die selten. Weggeworfen aber auch nicht. Allerhöchstens wurde mal ein besonders schönes Exponat eines Monatsbildes eingerahmt. Immerhin hatten mich die Bilder ein ganzes Jahr begleitet, da wird man schon mal melancholisch *schnief*
Mein Freund hebt die Kalender gerne auf, um mit den Blättern kleine Geschenke einzupacken. Ich fand hingegen letztens die ultimative Idee, einen Kalender wieder seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen - man wartet lange genug, denn irgendwann wiederholt sich der Jahresverlauf!
Genau genommen braucht man gerade mal 14 verschiedene Kalender, um damit sämtliche Jahre abzudecken. Für nächstes Jahr ist also der Kalender von 2009 aktuell. Insbesondere Kalender, die man per Ringlochung umschlagen kann, sind dafür geeignet - auf sehr vielen steht auf den Monatsblättern nicht mal das Jahr, also fällt die Wiederverwendung nicht mal auf *g*
Die genaue Aufschlüsselung der identischen Jahre findet ihr hier: http://garyc.me/calendars/
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Mittwoch, 13. August 2014
Montag, 23. Juni 2014
Ausmisten #2: Konkrete Ideen
In meinem letzten Post habe ich von den zahlreichen Besitztümern gesprochen, die man so in den eigenen 4 Wänden anhäuft. Dinge erwirbt man erfahrungsgemäß schneller, als man sie wieder los wird - ein übler Effekt, wenn es darum geht, die Besitztümer zu verringern, etwa im Falle eines Um- oder Auszugs. Aber auch ein regelmäßiges Ausmisten ist eine wirkungsvolle Methode, um das Problem schon rechtzeitig aufzuhalten und es gar nicht zu den berühmten 10.000 Utensilien kommen zu lassen, die der Deutsche angeblich hortet.
Welche Möglichkeiten hat man nun konkret, um Herr der Lage zu werden und seinen Besitz nicht ausufern zu lassen?
Zunächst einmal hängt es natürlich vom Zeitpunkt ab, also wann man beginnen will.
Andere Dinge, etwa Möbel, lassen sich relativ leicht upcyclen: Mit Folien beklebt, mit neuer Farbe lackiert oder mit Steinen verziert bekommt man ein Schmuckstück, das man gerne nutzt und vor allem auch behalten will. Auch Kleidung lässt sich erfahrungsgemäß upcyclen.
Wichtig sind hier die Preisgrenzen: Gerade gebrauchte Gegenstände haben, wenn sie explizit nicht selten, von einer Trendmarke oder aufgrund ihres Alters bzw. Materials wertvoll sind, keinen hohen Verkaufspreis. Setzt einen realistischen Preis an, den ihr selbst für den Artikel zahlen würdet (wie schwer das ist, so was einzuschätzen, habe ich ja schon im letzten Post am Beispiel der Kaffeetassen geschrieben) und seid vor allem kooperativ und bereit zu Verhandlungen.
Erfahrungsgemäß sollte man immer schon einen Vorschlagspreis angeben (keine angegebenen Preise schrecken ab, da der Kunde erst in Aktion treten und den Preis erfragen muss - hier haben erstaunlich viele eine Hemmschwelle) und ihn notfalls mit "VB", also auf Verhandlungsbasis, kennzeichnen. Damit signalisiert man den Interessenten, dass noch was geht beim Preis. Dafür den Preis lieber 10 % höher ansetzen und stückweise runtergehen, statt von Anfang an stur auf den Wunschpreis zu beharren.
Erste Anlaufstelle für Schenk-Aktionen sind natürlich Bekannte, Verwandte und Freunde. Eine Kramkiste, die man bei einer abendlichen Weinrunde hinstellt, kann schnell zu einem Mordsspaß werden, wenn die Leute selbst in aller Ruhe stöbern und auswählen dürfen. Dabei greift zusätzlich der Besitzanspruch und tief verwurzelte Neid, der in allen schlummert - wenn Person A etwas in der Hand hält, wird der Gegenstand für Person plötzlich ungemein attraktiv. Ich habe schon Diskussionen und wilde Tauschhandel erlebt, bei denen zuvor unliebsamer Plunder plötzlich zum "Renner" wurde. Gut geeignet für solche Wühlkisten sind Kleider und Accessoires, Bücher, Haushaltsutensilien und Dekoartikel, also eher kleinvolumige Gegenstände, die man mal eben mitnehmen kann.
Geschenke wirken natürlich auch auf Fremde anziehend - hier muss man nur aufpassen, dass sich der andere nicht bedrängt oder gar zum Handeln gezwungen fühlt. Insofern ist es also weniger klug, jemandem einfach etwas unter die Nase zu halten und ihn zu fragen, ob er das haben will - die meisten wittern sofort eine Falle und werden misstrauisch.
Besser ist es, auf die natürliche Neugierde zu hoffen: Eine Kiste am Straßenrand, gut sichtbar mit "Zu verschenken" beschriftet, wird oft schon nach Minuten von den ersten Passanten beäugt. Die künstlich herbeigeführte Knappheit des Angebots tut ihr übriges - der Passant weiß, dass der Gegenstand womöglich in 10 Minuten nicht mehr da ist. Also besser sofort mitnehmen, ehe ihn sich der nächste krallt, nech?
Zu beachten ist natürlich, dass solche Kisten nicht wirklich legal sind und teilweise als Müllabladen betrachtet werden. Im Zweifel lieber nur vor dem eigenen Haus abstellen und die Kiste vor allem wieder rechtzeitig entfernen, wenn man merkt, dass man auf kein Interesse stößt.
Legal sind, insbesondere für Bücher, die öffentlichen Bücherregale in vielen Großstädten. Reinstellen, rausnehmen, schmökern, mitnehmen - das Konzept geht definitiv auf.
Für großrahmige oder umfangreiche Gegenstände wie Möbel und Geschirr sind Sozialkaufhäuser ebenfalls ein guter Anlaufpunkt. Teilweise bieten diese Einrichtungen auch an, die Möbel abzuholen. Mit einer Begutachtung muss man natürlich rechnen - auch Sozialkaufhäuser möchten nur etwas anbieten, was nicht beschädigt ist.
Kleiderkammern sind eine Anlaufstelle für Klamotten. Was ich hingegen ungern benutze, sind die klassischen Kleiderspenden. Hier sollte man sich vorab informieren, wo die Spende tatsächlich hingeht, um nicht unwissentlich sogar noch Schaden anzurichten!
Zum Verschenken eigen sich natürlich ebenfalls Anzeigen. Will man nicht ganz leer ausgehen, tut es auch ein obligatorischer Tausch - etwa den Schrank gegen eine Kiste Bier.
Hier sollte man aber darauf achten, wie man etwas entsorgt. Jede Gemeinde bietet Informationen zum Entsorgen an, damit man die Stücke zumindest umweltgerecht loswird. Elektroschrott, Sondermüll wie etwa Batterien und Farbeimer, Sperrmüll und Kleiderreste werden meistens separat entsorgt, große Gegenstände wie Kühlschränke gegen Gebühr teilweise auch abgeholt. Ein Blick auf die Website des örtlichen Entsorgers liefert meist die benötigten Informationen.
Was selbstverständlich niemals in Frage kommen sollte, ist wild abgelegter Müll!
Habt ihr noch weitere Ideen, um euren Haushalt zu verkleinern bzw. das Entsorgen zu vermeiden? Ich freue mich auf eure Ratschläge und Erfahrungen!
Welche Möglichkeiten hat man nun konkret, um Herr der Lage zu werden und seinen Besitz nicht ausufern zu lassen?
Zunächst einmal hängt es natürlich vom Zeitpunkt ab, also wann man beginnen will.
Vor dem Kauf
Am Sinnvollsten ist es natürlich, sich schon vor dem Kauf Gedanken darüber zu machen, ob man den gewünschten Artikel tatsächlich braucht. Manchmal reichen ein, zwei Nächte Bedenkzeit, und das Gefühl des akuten Haben-Wollens ebbt ab - dann hatte man es mit einem psychologischen Bedürfnis zu tun, aber nicht mit einem echten Mangel.Während des Kaufs
Hat man sich dazu entschlossen, etwas wirklich besitzen zu wollen, sollte man trotzdem nicht zu vorschnell sein. Viele Gegenstände führen dazu, dass sich der Besitz in Zukunft vermehrt:- zu billige oder minderwertige Artikel verschleißen schnell und müssen neu gekauft werden
- Zubehör muss zwingend gekauft werden, damit der Gegenstand funktioniert (z.B. eine Spiegelreflex ohne Objektiv oder ein PC ohne Monitor)
- verlockendes "Upgrade"-Zubehör steigert gefühlt den Wert des Utensils, muss aber trotzdem erst mal gekauft werden (z.B. Küchenmaschinen mit Getreidemühle, Zerkleinerer, Entsafter ...)
Benutzen / Upcyclen
Ist etwas bereits in unserem Besitz und kein Verbrauchsgegenstand (d.h. es bleibt längerfristig im Haushalt), dann kann man es ganz einfach benutzen und damit vermeiden, es doppelt zu kaufen. Wichtig ist natürlich, dass man den Überblick behält - einen Eierschneider etwa, der ewig nicht mehr benutzt wurde und ganz weit hinten im Schrank lag, kauft man im Affekt doppelt, wenn man so ein Teil zufällig mal braucht und das Stück zuhause eben schlicht vergessen hat.Andere Dinge, etwa Möbel, lassen sich relativ leicht upcyclen: Mit Folien beklebt, mit neuer Farbe lackiert oder mit Steinen verziert bekommt man ein Schmuckstück, das man gerne nutzt und vor allem auch behalten will. Auch Kleidung lässt sich erfahrungsgemäß upcyclen.
Verkaufen
Möchte man einen Artikel nun definitiv loswerden, kann man natürlich versuchen, ihn gegen Geld an den Mann zu bringen. Gute Erfahrungen habe ich schon mit ebay, Aushängen in Supermärkten, Flohmärkten, Kleinanzeigen im Wochenblatt und Anzeiger-Magazinen gemacht.Wichtig sind hier die Preisgrenzen: Gerade gebrauchte Gegenstände haben, wenn sie explizit nicht selten, von einer Trendmarke oder aufgrund ihres Alters bzw. Materials wertvoll sind, keinen hohen Verkaufspreis. Setzt einen realistischen Preis an, den ihr selbst für den Artikel zahlen würdet (wie schwer das ist, so was einzuschätzen, habe ich ja schon im letzten Post am Beispiel der Kaffeetassen geschrieben) und seid vor allem kooperativ und bereit zu Verhandlungen.
Erfahrungsgemäß sollte man immer schon einen Vorschlagspreis angeben (keine angegebenen Preise schrecken ab, da der Kunde erst in Aktion treten und den Preis erfragen muss - hier haben erstaunlich viele eine Hemmschwelle) und ihn notfalls mit "VB", also auf Verhandlungsbasis, kennzeichnen. Damit signalisiert man den Interessenten, dass noch was geht beim Preis. Dafür den Preis lieber 10 % höher ansetzen und stückweise runtergehen, statt von Anfang an stur auf den Wunschpreis zu beharren.
Verschenken
Wenn Verkaufen nicht zum Erfolg führt, kann man unliebsame Gegenstände natürlich auch verschenken. Anstand und Höflichkeit gebieten, dass man anderen keinen Schrott andreht - niemand freut sich über etwas, das offensichtlich kaputt ist oder in naher Zukunft kaputt gehen wird. Wenn man hier unsicher ist, sollte man einen Gegenstand lieber selbst entsorgen, statt das einer anderen Person zu überlassen und ihr damit unterschwellig zu sagen, das man sich wenig um ihr Wohlergehen schert.Erste Anlaufstelle für Schenk-Aktionen sind natürlich Bekannte, Verwandte und Freunde. Eine Kramkiste, die man bei einer abendlichen Weinrunde hinstellt, kann schnell zu einem Mordsspaß werden, wenn die Leute selbst in aller Ruhe stöbern und auswählen dürfen. Dabei greift zusätzlich der Besitzanspruch und tief verwurzelte Neid, der in allen schlummert - wenn Person A etwas in der Hand hält, wird der Gegenstand für Person plötzlich ungemein attraktiv. Ich habe schon Diskussionen und wilde Tauschhandel erlebt, bei denen zuvor unliebsamer Plunder plötzlich zum "Renner" wurde. Gut geeignet für solche Wühlkisten sind Kleider und Accessoires, Bücher, Haushaltsutensilien und Dekoartikel, also eher kleinvolumige Gegenstände, die man mal eben mitnehmen kann.
Geschenke wirken natürlich auch auf Fremde anziehend - hier muss man nur aufpassen, dass sich der andere nicht bedrängt oder gar zum Handeln gezwungen fühlt. Insofern ist es also weniger klug, jemandem einfach etwas unter die Nase zu halten und ihn zu fragen, ob er das haben will - die meisten wittern sofort eine Falle und werden misstrauisch.
Besser ist es, auf die natürliche Neugierde zu hoffen: Eine Kiste am Straßenrand, gut sichtbar mit "Zu verschenken" beschriftet, wird oft schon nach Minuten von den ersten Passanten beäugt. Die künstlich herbeigeführte Knappheit des Angebots tut ihr übriges - der Passant weiß, dass der Gegenstand womöglich in 10 Minuten nicht mehr da ist. Also besser sofort mitnehmen, ehe ihn sich der nächste krallt, nech?
Zu beachten ist natürlich, dass solche Kisten nicht wirklich legal sind und teilweise als Müllabladen betrachtet werden. Im Zweifel lieber nur vor dem eigenen Haus abstellen und die Kiste vor allem wieder rechtzeitig entfernen, wenn man merkt, dass man auf kein Interesse stößt.
Legal sind, insbesondere für Bücher, die öffentlichen Bücherregale in vielen Großstädten. Reinstellen, rausnehmen, schmökern, mitnehmen - das Konzept geht definitiv auf.
Für großrahmige oder umfangreiche Gegenstände wie Möbel und Geschirr sind Sozialkaufhäuser ebenfalls ein guter Anlaufpunkt. Teilweise bieten diese Einrichtungen auch an, die Möbel abzuholen. Mit einer Begutachtung muss man natürlich rechnen - auch Sozialkaufhäuser möchten nur etwas anbieten, was nicht beschädigt ist.
Kleiderkammern sind eine Anlaufstelle für Klamotten. Was ich hingegen ungern benutze, sind die klassischen Kleiderspenden. Hier sollte man sich vorab informieren, wo die Spende tatsächlich hingeht, um nicht unwissentlich sogar noch Schaden anzurichten!
Zum Verschenken eigen sich natürlich ebenfalls Anzeigen. Will man nicht ganz leer ausgehen, tut es auch ein obligatorischer Tausch - etwa den Schrank gegen eine Kiste Bier.
Entsorgen
Auch wenn das hier ein Upcycling-Blog ist, will ich diesen Punkt trotzdem nicht unter den Tisch kehren. Die letzte und endgültigste Methode, etwas loszuwerden, ist das Entsorgen. Was absolut niemand mehr möchte oder so beschädigt ist, dass man es nicht mehr nutzen kann, muss weg, ganz klar.Hier sollte man aber darauf achten, wie man etwas entsorgt. Jede Gemeinde bietet Informationen zum Entsorgen an, damit man die Stücke zumindest umweltgerecht loswird. Elektroschrott, Sondermüll wie etwa Batterien und Farbeimer, Sperrmüll und Kleiderreste werden meistens separat entsorgt, große Gegenstände wie Kühlschränke gegen Gebühr teilweise auch abgeholt. Ein Blick auf die Website des örtlichen Entsorgers liefert meist die benötigten Informationen.
Was selbstverständlich niemals in Frage kommen sollte, ist wild abgelegter Müll!
Habt ihr noch weitere Ideen, um euren Haushalt zu verkleinern bzw. das Entsorgen zu vermeiden? Ich freue mich auf eure Ratschläge und Erfahrungen!
Dienstag, 17. Juni 2014
Ausmisten #1: Besitz schafft Leid
Die Buddhisten wussten es schon immer: Zu viel zu besitzen tut keinem gut.
Da gibt es jene Extremen, umgangssprachlich Messies, die sich von nichts trennen können und auch scheinbar Wertloses horten. Weil es ihnen eben gehört. Weil man damit noch irgendwas anfangen könnte. Weil sie nicht die Kraft haben, sich vom Ballast zu trennen. Besitz ist unendlich fest mit unserem Wesen verbunden und lässt sich sogar für psychologische Manipulation einsetzen: Gib jemandem etwas, das er als rar betrachtet, und sofort wird er sich so schnell nicht mehr davon trennen wollen, selbst wenn er es vorher gar nicht wirklich gekannt oder gebraucht hat.
Auf der anderen Seite sind die, die ihren Besitztum an einer Hand abzählen können. Sei es aus freiwilligen Stücken, etwa aus religiösen oder ethischen Gründen, sei es gezwungen, weil ihnen das feste Heim fehlt.
In der Mitte tummelt sich der Durchschnitt.
Angeblich bunkert der gemeine Deutsche 10.000 Gegenstände in seinen eigenen 4 Wänden. Klingt viel? Zu viel? Mitnichten. Viele Dinge blendet man schon längst aus, weil man sie nicht mehr wahrnimmt. Wer allein schon im Besitz eines geräumigen Kellers oder Dachboden ist, wird sofort dazu verführt, alles mögliche aufzuheben oder auf Vorrat zu kaufen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Das beobachte ich bei meinen Eltern, bei Freunden, bei Männeke.
Zur Vermehrung des Besitzes greift häufig ein Effekt, der uns Zufriedenheit verspricht, wenn wir Gegenstand X besitzen. Leider hält die Freude darüber selten länger an, und man braucht den nächsten Besitz-Kick. Eine Tretmühle, aus der es kein Entkommen gibt.
Auf der anderen Seite fällt es ungleich schwerer, sich vom Besitz zu trennen. Selbst wenn man weiß, dass etwas wertlos ist und man es im Notfall schnell wieder anschaffen kann, ist eine Trennung von etwas, das man besitzt, immer ein Kraftakt. Da hadert man mit dem Gewissen, weil man schließlich Geld ausgegeben hat. Und zugleich erfüllt es einen mit dem irrationalen Gedanken, etwas Eigenes nicht herzugeben, weil man meint, bereits eine Beziehung dazu aufgebaut zu haben - der klassische Besitztumeffekt.
Obwohl ich in meiner Entrümpelungsaktion vieles Überflüssige los werden konnte, wurde mir beim groben Aufstellen meines Besitztums schwindelig: Auf der Liste stehen allein schon 70 großvolumige Gegenstände, dazu die üblichen Mengen Geschirr, Bücher, Kleider, Utensilien, Dekokrempel. Und das alles auf läppischen 50 qm. Trotzdem sieht meine Wohnung alles andere als vollgestellt aus, viele Schrankfächer sind nur halb gefüllt, und ich war immer der Meinung, meinen Besitz auf das Notwendigste zu beschränken. Aber ich komme mit Sicherheit auf mehrere Hundert Gegenstände, die in meiner Bude stehen.
Die Liste habe ich nun so aufgebaut, dass ich maximal 40 der großen Gegenstände behalte, auch bei Kleidern und Büchern wird noch radikaler aussortiert. Ich will mit so wenig Sachen wie möglich umziehen. Der Umzug einer älteren Dame, mit der ich mich gut verstehe und der ich beim Auspacken half, hat mich in dem Punkt zutiefst verstört: Von ihren 40 Umzugskartons waren mindestens 25 randvoll mit Geschirr und Deko-Utensilien. Jedes Plastikblümchen wurde mitgenommen, jede angebrannte Kerze sorgsam eingewickelt.
Allein bei den Möbeln werde ich schon meine liebe Not haben, gebrauchte Möbel kann man oft nicht mal verschenken, geschweige denn verkaufen. Insofern werde ich also die hiesigen Möbelbörsen ansteuern müssen, denn entsorgen möchte ich die teilweise wirklich gut erhaltenen (Echtholz-)Möbel nicht.
Andere Sachen kann ich erfahrungsgemäß in den Studentenvierteln loswerden - eine Kiste voller Krempel mit dem Zettel "Zu verschenken" am Straßenrand steht selten länger als eine Stunde.
Aber was ist mit dem Rest, den weder ich noch andere haben wollen? Ich bin derzeit noch ratlos. Früher hätte ich gesagt: Weg damit, braucht eh keiner. Aber mein Plunderstück-Ich wehrt sich gegen diese Idee mit Händen und Füßen.
Ich werde mir die nächsten Tage Gedanken machen und Ideen sammeln, die ich dann hier vorstelle.
Wie war das bei euch, als ihr um- oder eingezogen seid? Habt ihr auch vorher gemistet oder erst später geschaut, "was über bleibt"? Und wie geht ihr mit solchen Überbleibseln um, die partout niemand mehr haben will?
Da gibt es jene Extremen, umgangssprachlich Messies, die sich von nichts trennen können und auch scheinbar Wertloses horten. Weil es ihnen eben gehört. Weil man damit noch irgendwas anfangen könnte. Weil sie nicht die Kraft haben, sich vom Ballast zu trennen. Besitz ist unendlich fest mit unserem Wesen verbunden und lässt sich sogar für psychologische Manipulation einsetzen: Gib jemandem etwas, das er als rar betrachtet, und sofort wird er sich so schnell nicht mehr davon trennen wollen, selbst wenn er es vorher gar nicht wirklich gekannt oder gebraucht hat.
Auf der anderen Seite sind die, die ihren Besitztum an einer Hand abzählen können. Sei es aus freiwilligen Stücken, etwa aus religiösen oder ethischen Gründen, sei es gezwungen, weil ihnen das feste Heim fehlt.
In der Mitte tummelt sich der Durchschnitt.
Angeblich bunkert der gemeine Deutsche 10.000 Gegenstände in seinen eigenen 4 Wänden. Klingt viel? Zu viel? Mitnichten. Viele Dinge blendet man schon längst aus, weil man sie nicht mehr wahrnimmt. Wer allein schon im Besitz eines geräumigen Kellers oder Dachboden ist, wird sofort dazu verführt, alles mögliche aufzuheben oder auf Vorrat zu kaufen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Das beobachte ich bei meinen Eltern, bei Freunden, bei Männeke.
Meins! Meins! Meins!
Besitz bedeutet in unserer Kultur Wohlstand und in einem gewissen Rahmen auch Heimat. Was mir gehört, ist meistens an dem Ort, an dem ich lebe. Damit bildet es das Füllmaterial meines kompletten Lebens. Diese Sachen können Statussymbole sein, unnötiger Plunder, Sammelleidenschaften, liebgewonnene Erinnerungsstücke.Zur Vermehrung des Besitzes greift häufig ein Effekt, der uns Zufriedenheit verspricht, wenn wir Gegenstand X besitzen. Leider hält die Freude darüber selten länger an, und man braucht den nächsten Besitz-Kick. Eine Tretmühle, aus der es kein Entkommen gibt.
Auf der anderen Seite fällt es ungleich schwerer, sich vom Besitz zu trennen. Selbst wenn man weiß, dass etwas wertlos ist und man es im Notfall schnell wieder anschaffen kann, ist eine Trennung von etwas, das man besitzt, immer ein Kraftakt. Da hadert man mit dem Gewissen, weil man schließlich Geld ausgegeben hat. Und zugleich erfüllt es einen mit dem irrationalen Gedanken, etwas Eigenes nicht herzugeben, weil man meint, bereits eine Beziehung dazu aufgebaut zu haben - der klassische Besitztumeffekt.
Über-fluss?
Seit letzter Woche weiß ich, dass ich zum 1. August ausziehen werde. Schneller als geplant, und das wirft viele Pläne über den Haufen. Zum einen jenes Vorhaben, meine Wohnung vor dem Umzug auszumisten. 2 Haushalte verschmilzt man nicht mal so eben miteinander, ohne dass Berge an Dubletten übrig bleiben.Obwohl ich in meiner Entrümpelungsaktion vieles Überflüssige los werden konnte, wurde mir beim groben Aufstellen meines Besitztums schwindelig: Auf der Liste stehen allein schon 70 großvolumige Gegenstände, dazu die üblichen Mengen Geschirr, Bücher, Kleider, Utensilien, Dekokrempel. Und das alles auf läppischen 50 qm. Trotzdem sieht meine Wohnung alles andere als vollgestellt aus, viele Schrankfächer sind nur halb gefüllt, und ich war immer der Meinung, meinen Besitz auf das Notwendigste zu beschränken. Aber ich komme mit Sicherheit auf mehrere Hundert Gegenstände, die in meiner Bude stehen.
Die Liste habe ich nun so aufgebaut, dass ich maximal 40 der großen Gegenstände behalte, auch bei Kleidern und Büchern wird noch radikaler aussortiert. Ich will mit so wenig Sachen wie möglich umziehen. Der Umzug einer älteren Dame, mit der ich mich gut verstehe und der ich beim Auspacken half, hat mich in dem Punkt zutiefst verstört: Von ihren 40 Umzugskartons waren mindestens 25 randvoll mit Geschirr und Deko-Utensilien. Jedes Plastikblümchen wurde mitgenommen, jede angebrannte Kerze sorgsam eingewickelt.
Allein bei den Möbeln werde ich schon meine liebe Not haben, gebrauchte Möbel kann man oft nicht mal verschenken, geschweige denn verkaufen. Insofern werde ich also die hiesigen Möbelbörsen ansteuern müssen, denn entsorgen möchte ich die teilweise wirklich gut erhaltenen (Echtholz-)Möbel nicht.
Andere Sachen kann ich erfahrungsgemäß in den Studentenvierteln loswerden - eine Kiste voller Krempel mit dem Zettel "Zu verschenken" am Straßenrand steht selten länger als eine Stunde.
Aber was ist mit dem Rest, den weder ich noch andere haben wollen? Ich bin derzeit noch ratlos. Früher hätte ich gesagt: Weg damit, braucht eh keiner. Aber mein Plunderstück-Ich wehrt sich gegen diese Idee mit Händen und Füßen.
Ich werde mir die nächsten Tage Gedanken machen und Ideen sammeln, die ich dann hier vorstelle.
Wie war das bei euch, als ihr um- oder eingezogen seid? Habt ihr auch vorher gemistet oder erst später geschaut, "was über bleibt"? Und wie geht ihr mit solchen Überbleibseln um, die partout niemand mehr haben will?
Sonntag, 25. Mai 2014
Challenge: Resteverwertung im Vorratsregal #1
Ist das Phänomen nur bei mir so? Dieses Gefühl, hamstern zu müssen, sich einen Vorrat an nicht verderblichen Nahrungsmitteln anzulegen - es könnte ja eine Hungersnot ausbrechen. Oder von heute auf morgen die Vollkorn-Spirellis aus sein. Desaster, ehrlich.
Ein anderer, nicht ganz unerheblicher Effekt, der zum steten Wachstum meiner trockenen bzw. konservierten Lebensmittel führt, ist der Drang, Neues auszuprobieren. Neue Nudelformen, neue Aufstriche, neue Senfsorten, neue Gewürzpasten, neues asiatisches Zeugs (ganz gefährlich, nebenbei - die Auswahl in Asialäden ist verheerend für den neugierigen deutschen Gaumen). Man geht einkaufen, entdeckt was Interessantes, nimmt es mit - ist ja nur klein und hält sich. Dann probiert man einmal davon und vergisst es. Und wegwerfen? No way. Lebensmittel, die noch mindestens 2 Jahre haltbar sind, ensorgt man nicht, die hortet man. Bestimmt hat man irgendwann mal wieder Lust darauf.
Hat man aber leider nicht immer. Bzw. erbeutet etwas, das die Neugierde wieder einmal für ein, zwei Mahlzeiten beruhigt.
Als ich letzte Woche einen kritischen Blick in mein Vorratsregal warf, entdeckte ich da so einiges, was mich ernsthaft grübeln ließ. Brauche ich wirklich 3 Sorten Linsen, 5 Sorten Reis, 10 Sorten Nudeln, 6 Pakete Getreide, 3 Tüten Haferflocken, 10 Gläser Apfelmus, eine ganze Batterie Backzutaten wie gemahlene, gehackte, gestiftete, gehobelte Mandeln und Haselnüsse, 4 Sorten Puddingpulver und gläserweise Aufstriche und Würzpasten?
Nein, brauche ich nicht.
Ganz davon abgesehen, dass sich manche Produkte schon gefährlich nahe am Verfallsdatum bewegen. Nicht, dass mich das stört, ich esse auch abgelaufene Nudeln, aber das zeigt mir einfach, wie lange ich die Sachen schon horte. Ein weiteres Problem: Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass ich im September meine Wohnung auflöse und zum Männeke ziehe. Und ich sehe mich schon mit Schrecken, wie ich kistenweise altes Zeug zu dem Kerl schleife und in seinem Keller versenke.
Insofern habe ich beschlossen, bis zum Herbst keine "trockenen" Lebensmittel mehr zu kaufen, sondern das zu verbrauchen, was da ist. Bis zum letzten Reiskorn, wenn es sein muss. Das bedeutet, dass ich in der Woche über auch mal auf das Kantinen-Happa verzichte und selbst Gekochtes mitnehme. Erfolgsmeldungen über geleerte Vorratsgläser gibt es dann regelmäßig hier ;)
Ein anderer, nicht ganz unerheblicher Effekt, der zum steten Wachstum meiner trockenen bzw. konservierten Lebensmittel führt, ist der Drang, Neues auszuprobieren. Neue Nudelformen, neue Aufstriche, neue Senfsorten, neue Gewürzpasten, neues asiatisches Zeugs (ganz gefährlich, nebenbei - die Auswahl in Asialäden ist verheerend für den neugierigen deutschen Gaumen). Man geht einkaufen, entdeckt was Interessantes, nimmt es mit - ist ja nur klein und hält sich. Dann probiert man einmal davon und vergisst es. Und wegwerfen? No way. Lebensmittel, die noch mindestens 2 Jahre haltbar sind, ensorgt man nicht, die hortet man. Bestimmt hat man irgendwann mal wieder Lust darauf.
Hat man aber leider nicht immer. Bzw. erbeutet etwas, das die Neugierde wieder einmal für ein, zwei Mahlzeiten beruhigt.
Als ich letzte Woche einen kritischen Blick in mein Vorratsregal warf, entdeckte ich da so einiges, was mich ernsthaft grübeln ließ. Brauche ich wirklich 3 Sorten Linsen, 5 Sorten Reis, 10 Sorten Nudeln, 6 Pakete Getreide, 3 Tüten Haferflocken, 10 Gläser Apfelmus, eine ganze Batterie Backzutaten wie gemahlene, gehackte, gestiftete, gehobelte Mandeln und Haselnüsse, 4 Sorten Puddingpulver und gläserweise Aufstriche und Würzpasten?
Nein, brauche ich nicht.
Ganz davon abgesehen, dass sich manche Produkte schon gefährlich nahe am Verfallsdatum bewegen. Nicht, dass mich das stört, ich esse auch abgelaufene Nudeln, aber das zeigt mir einfach, wie lange ich die Sachen schon horte. Ein weiteres Problem: Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass ich im September meine Wohnung auflöse und zum Männeke ziehe. Und ich sehe mich schon mit Schrecken, wie ich kistenweise altes Zeug zu dem Kerl schleife und in seinem Keller versenke.
Insofern habe ich beschlossen, bis zum Herbst keine "trockenen" Lebensmittel mehr zu kaufen, sondern das zu verbrauchen, was da ist. Bis zum letzten Reiskorn, wenn es sein muss. Das bedeutet, dass ich in der Woche über auch mal auf das Kantinen-Happa verzichte und selbst Gekochtes mitnehme. Erfolgsmeldungen über geleerte Vorratsgläser gibt es dann regelmäßig hier ;)
Donnerstag, 8. Mai 2014
Das Ding mit der Regionalität
Letztens hatte ich eine interessante Diskussion mit einigen Bekannten, die so ziemlich alle "Fraktionen" der modernen Ernährungsformen abdecken: Die eine schwört auf Low Carb, die andere ist absolute Bio-Anhängerin, die nächste versucht sich seit gut einem Jahr in veganer Ernährung, die andere ist Teilzeit-Vegetarierin.
Ich bin der einzige Omnivor in der Runde, mal nebenbei *hüstel*
Trotzdem waren sich alle mehr oder minder einig, als es um das Thema der regionalen Lebensmittel geht: Ja, unbedingt.
Nicht nur, um die hiesige Landwirtschaft zu unterstützen, nein, auch aus gesundheitlichen und ökologischen Aspekten. Weniger Transport bedeutet weniger CO2, keine Ausbeute von Farmarbeitern irgendwo in Marokko oder Spanien, keine übertrieben frühe Ernte der Produkte, (hoffentlich) wenige bzw. kontrollierte Spritz- und Düngemittel und einfach das Gefühl, eine Möhre aus der direkten Nachbarschaft zu kauen statt eine, die aus Israel immigriert ist.
Als wir dann aber über biologisch erzeugte Produkte aus der Region redeten, wurde es schon etwas finsterer in der Runde, denn da war die Auswahl verdammt mau, besonders im Winter bzw. frühen Frühjahr. Wir hatten also ein Dilemma: Bio und vom anderen Ende der Welt, oder regional und dafür konventionell. Wirklich einig wurden wir uns nicht, und alle berichteten, dass sie da einfach zweigleisig fahren. Nur die Bioanhängerin lebte lieber mit ihren Williams Christ Birnen aus Südamerika.
Für mich selbst kommt noch erschwerend hinzu, dass ich nur wenig Fructose vertrage und bei fast allen Kohlsorten beinahe einen Tag Krankenschein machen muss, um die Magenkrämpfe loszuwerden. Insofern würde regionale Kost für mich bedeuten, im Winter fast nichts Frisches essen zu dürfen - das Wintergemüse ist sehr kohllastig, das Winterobst besteht fast ausschließlich aus Äpfeln und Birnen und mit etwas Glück Trauben, die ich roh nicht mal in winzigen Mengen vertrage. Ich greife also notgedrungen zu Zitrusfrüchten, ein paar exotischen Schmankerln wie Litschi sowie bergeweise Paprika, um nicht am Skorbut dahinzusiechen.
Das ist weder biologisch (zumindest teilweise) noch ökologisch und am allerwenigsten regional, hilft mir aber leider nichts. Glücklich macht es mich nicht, dafür freue ich mir hingegen im Sommer einen Ast und esse mich an den frischen Beeren und Gemüsesorten vom Markt kugelig. Aber reicht das für meinen ökologischen Fußabdruck, wenn ich dafür den ganzen Winter über Paprika, Zucchini und Orangen aus südlichen Ländern verzehre? Darf ich meinen Magen als Ausrede nutzen, um weiterhin (nicht gerade wenig) Import-Lebensmittel zu vertilgen?
Ich versuche schon, an allen möglichen Stellen einzulenken - ziehe eigene Erdbeeren und Kräuter, verarbeite gefundenes Fallobst zu Kuchen oder Kompott, esse so viel regionales Gemüse wie ich kann (nach 5 Tagen Lauch mit Möhren und Kartoffeln in allen Variationen ist irgendwann die Schmerzgrenze erreicht). Damit kann ich mein Gewissen zumindest etwas besänftigen. Ich würde gern mehr tun, aber ich kann nicht. Wirklich zufrieden macht einen das nicht, aber das Leben ist eben kein Wunschkonzert.
Ich bin der einzige Omnivor in der Runde, mal nebenbei *hüstel*
Trotzdem waren sich alle mehr oder minder einig, als es um das Thema der regionalen Lebensmittel geht: Ja, unbedingt.
Nicht nur, um die hiesige Landwirtschaft zu unterstützen, nein, auch aus gesundheitlichen und ökologischen Aspekten. Weniger Transport bedeutet weniger CO2, keine Ausbeute von Farmarbeitern irgendwo in Marokko oder Spanien, keine übertrieben frühe Ernte der Produkte, (hoffentlich) wenige bzw. kontrollierte Spritz- und Düngemittel und einfach das Gefühl, eine Möhre aus der direkten Nachbarschaft zu kauen statt eine, die aus Israel immigriert ist.
Als wir dann aber über biologisch erzeugte Produkte aus der Region redeten, wurde es schon etwas finsterer in der Runde, denn da war die Auswahl verdammt mau, besonders im Winter bzw. frühen Frühjahr. Wir hatten also ein Dilemma: Bio und vom anderen Ende der Welt, oder regional und dafür konventionell. Wirklich einig wurden wir uns nicht, und alle berichteten, dass sie da einfach zweigleisig fahren. Nur die Bioanhängerin lebte lieber mit ihren Williams Christ Birnen aus Südamerika.
Für mich selbst kommt noch erschwerend hinzu, dass ich nur wenig Fructose vertrage und bei fast allen Kohlsorten beinahe einen Tag Krankenschein machen muss, um die Magenkrämpfe loszuwerden. Insofern würde regionale Kost für mich bedeuten, im Winter fast nichts Frisches essen zu dürfen - das Wintergemüse ist sehr kohllastig, das Winterobst besteht fast ausschließlich aus Äpfeln und Birnen und mit etwas Glück Trauben, die ich roh nicht mal in winzigen Mengen vertrage. Ich greife also notgedrungen zu Zitrusfrüchten, ein paar exotischen Schmankerln wie Litschi sowie bergeweise Paprika, um nicht am Skorbut dahinzusiechen.
Das ist weder biologisch (zumindest teilweise) noch ökologisch und am allerwenigsten regional, hilft mir aber leider nichts. Glücklich macht es mich nicht, dafür freue ich mir hingegen im Sommer einen Ast und esse mich an den frischen Beeren und Gemüsesorten vom Markt kugelig. Aber reicht das für meinen ökologischen Fußabdruck, wenn ich dafür den ganzen Winter über Paprika, Zucchini und Orangen aus südlichen Ländern verzehre? Darf ich meinen Magen als Ausrede nutzen, um weiterhin (nicht gerade wenig) Import-Lebensmittel zu vertilgen?
Ich versuche schon, an allen möglichen Stellen einzulenken - ziehe eigene Erdbeeren und Kräuter, verarbeite gefundenes Fallobst zu Kuchen oder Kompott, esse so viel regionales Gemüse wie ich kann (nach 5 Tagen Lauch mit Möhren und Kartoffeln in allen Variationen ist irgendwann die Schmerzgrenze erreicht). Damit kann ich mein Gewissen zumindest etwas besänftigen. Ich würde gern mehr tun, aber ich kann nicht. Wirklich zufrieden macht einen das nicht, aber das Leben ist eben kein Wunschkonzert.
Mittwoch, 23. April 2014
Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 3
Bereits in den vohergehenden Postings berichtete ich von den elektrischen Haushaltsgeräten, die mir übel aufstoßen, weil sie Platz rauben, selten das tun, was sie eigentlich können sollten und vor denen man trotz besserem Wissen irgendwie nie so ganz sicher ist.
Zum Einlesen hier die vorhergehenden Posts:
Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 1
Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 2
Bad:
Aber noch sind wir ja nicht ganz durch. Ein Räumchen fehlt - dort, wo kein Tageslicht hinkommt. Macht euch schmal, jetzt geht es in den
Abstellraum:
Daraus ziehe ich die Konsequenzen und werde mich von einigen trennen. Als Abnehmer haben sich schon Freunde und Bekannte herauskristallisiert (getreu nach dem Motto: "Wollte ich mir schon immer mal kaufen!" - na dann: Bitteschön). Den Rest versuche ich, über ebay an den Mann zu bringen.
Insofern: Was darf nun alles meine Wohnung verlassen?
Wahnsinn, oder? Auf einen Schlag so viele Geräte zu identifizieren, die ich absolut nicht brauche, ist erschütternd. Wenn man dann noch bedenkt, dass die allesamt meine 50 qm zumüllen, umso mehr. Es sind alles keine großen, wuchtigen Geräte, und doch rauben sie Platz.
Angenehm ist der Gedanke, einen ganzen Schwung Plastik loszuwerden und dafür mit plastikfreien Alternativen arbeiten zu können - und natürlich mit den Händen, ganz klar. In erster Linie unterstützen diese elektrischen Helferlein ja nur unsere angeborene Faulheit und unseren Drang nach neuem Spielzeug. Zumindest habe ich nun gelernt, in Zukunft etwas bedachter an etwaige Käufe heranzugehen, um mir weitere dieser Ausmist-Aktionen in Zukunft zu ersparen.
Zum Einlesen hier die vorhergehenden Posts:
Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 1
Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 2
Auf in die letzte Runde!
Im letzten Teil der Inventur-Runde durch meine Wohnung werfe ich ein Blick ins "Feuchtgebiet", wo sich allerlei Beauty-Gerätschaften befinden. Also auf insBad:
- Elektrische Zahnbürste: Laut Zahnarzt die beste Art, die Beißer sauber zu halten. Finde ich auch - brauche ich 2 x täglich (eine Zahl < 2 wäre ja jetzt auch echt bäh)
- Föhn: Am Wochenende kann ich auf das Gepuste durchaus verzichten, da trocknet mein Pixie auch an der Luft. In der Woche will ich aber ungern um 5.30 Uhr mit nassen Haaren rausgehen. Insofern ist der Föhn ein Muss für mich, leider. Der hier ist außerdem klein und klappbar, perfekt für Reisen - brauche ich 5 x pro Woche
- Föhn 2: Mist, erwischt. Streng genommen brauche ich tatsächlich nur einen Föhn. Müsste ich mich entscheiden, würde ich vermutlich den kleinen oben behalten, den großen Kawenzmann verschenke ich dann weiter - brauche ich nie --> verzichtbar!
- Lockenwickler: Zu meinen Langhaar-mit-Stufen-Zeiten tüddelte ich die äußeren Partien gern nach außen, indem ich eine Rundbürste mit integriertem Föhn durch die Haare zog. Bei meinen streichholzkurzen Haaren ist das jetzt Unfug, der Wickler fängt nur Staub - brauche ich nie --> verzichtbar!
- Heizlüfter: Ach du lieber Gott. Das Ding ist nun wirklich die peinlichste Elektroleiche in meiner Wohnung - Stromvernichter, Bakterienschleuder, hässlich wie die Nacht und laut noch dazu. Für warme Füße nutze ich doch lieber Heizung oder Socken - brauche ich nie --> verzichtbar!
Aber noch sind wir ja nicht ganz durch. Ein Räumchen fehlt - dort, wo kein Tageslicht hinkommt. Macht euch schmal, jetzt geht es in den
Abstellraum:
- Staubsauger: Ohne Sauger hat man 2 Möglichkeiten: Wischen und die Teppiche Teppiche sein lassen, oder die Teppiche nach draußen schleifen und ausklopfen. Bei einem 3 x 4 Meter großen Flokati, auf dem eine Eckcouch und ein kleiner Tisch steht, überlege ich mir die Schleiferei lieber gut und sauge währenddessen munter weiter - brauche ich 1 x pro Woche
- Waschmaschine: Öh ... brauche ich da noch ein Pro-Argument? Waschbretter sieht man heuzutage ja dann doch lieber an gut gebauten Männerkörpern ;-) - brauche ich 1 x pro Woche
- Sandwichmaker: Ups, die nächste Leiche. Ein Triple-Gerät zum Grillen, Sandwich-Quetschen und Waffeln backen. Nett, aber unhandlich, brenzlich nach schmurgelndem Plastik riechend und doof zu reinigen - brauche ich 1 x pro Jahr --> verzichtbar!
- Pürierstab: Für Suppen und Marmelade verdammt praktisch, aber laaaaaut wie sonst was. Die Benutzung ist mir also sehr unangenehm - brauche ich 1 x pro Monat --> verzichtbar!
- Espressokocher: Vom Männeke vererbt, der lieber seinen Automaten um die schwarze Grütze aka Espresso bemüht. Da ich keinen Espresso trinke und der aus dem Gerät schmeckt wie angekokelt, verkaufe ich das Gerät bald - brauche ich nie --> verzichtbar!
- Bügeleisen: Wer näht, der bügelt - zwangsläufig. Zähle ich die Arbeitsstunden eines Nähstücks zusammen, fallen davon locker 70 % auf Zuschneiden und Stecken, 20 % Bügeln (Nahtzugaben umbügeln - hurz ...) und gerade mal 10 % effektives Nähen. Ach ja, und meine Pullis, Unterhemden und Jeans bügele ich auch. So piefig bin ich dann doch. Insofern - brauche ich täglich
- Gästebett: Wenn man davon absieht, dass das Ding elend unbequem ist und über Nacht gemütlich Luft verliert, ist es auch noch laut wie ein Staubsauger, wenn es sich aufpustet. Nüscht mit nachts schnell mal Bettchen machen also. Meine Gäste residieren dann doch lieber auf der Couch - brauche ich nie --> verzichtbar!
Nach der Bestandsaufnahme ist vor der Trennung
Ja, das war mir von Anfang an klar gewesen, als ich die Inventur startete - so ganz ohne Trennungsschmerz geht das nicht von der Bühne. Ich habe in alle Ecke geschaut, ich habe mein Nutzungsverhalten analysiert und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich zahlreiche Geräte wenig bzw. gar nicht benutze.Daraus ziehe ich die Konsequenzen und werde mich von einigen trennen. Als Abnehmer haben sich schon Freunde und Bekannte herauskristallisiert (getreu nach dem Motto: "Wollte ich mir schon immer mal kaufen!" - na dann: Bitteschön). Den Rest versuche ich, über ebay an den Mann zu bringen.
Insofern: Was darf nun alles meine Wohnung verlassen?
- D-LAN: Die Adapter kommen zum Männeke - dort werde ich ab Sommer Telearbeit machen, und er zieht mit seinem Büro unters Dach. Da er kein W-LAN bzw. voll vernetzte Zimmer hat, sind die Adapter hier gut zu gebrauchen, um auch ihm Zugang zum Internet zu gewähren.
- Cafissimo: Entweder wird sie an eine gute Freundin verschenkt, oder ich verkaufe sie weiter. Auf jeden Fall kommt sie weg, den frei gewordenen Platz kann ich besser nutzen.
- Eismaschine: Pünktlich zum Saisonstart landet das Gerät bei ebay und wird einen anderen Käufer hoffentlich glücklich machen. Ich hole mir dann wieder wie immer meine zwei Kugeln beim Italiener in der Innenstadt.
- Föhn: Einer geht, einer bleibt. Ich behalte wohl den kleinen, den großen schenke ich meiner Mutter.
- Lockenwickler: Auch den kriegt Muttern. Wech damit, Haare tüddel ich nicht mehr.
- Heizlüfter: Wer das olle Ding haben will, der kriegt noch nen Zehner von mir dazu ;)
- Sandwichmaker: Klar, dass der wegkommt. Das Ding sieht weder hübsch aus noch ist es sonderlich praktisch.
- Pürierstab: Auch der kommt weg. Ein Gerät, das ich nur mit Oropax benutzen kann, ist mir nicht geheuer. Was ich pürieren will, kann ich auch mit der Lotte oder dem Kartoffelstampfer kleinkriegen.
- Espressokocher: Der stand schon die ganze Zeit über auf der roten Liste. Sobald er sein Foto-Shooting hinter sich hat, darf er bei ebay nach einem neuen Zuhause suchen.
- Gästebett: Ich behalte es noch, solange ich zwischen zwei Wohnungen grätsche. Sobald ich fest bei Männeke wohne, kommt das Ding weg - Männeke hat genug Schlafplätzchen für Besucher.
Wahnsinn, oder? Auf einen Schlag so viele Geräte zu identifizieren, die ich absolut nicht brauche, ist erschütternd. Wenn man dann noch bedenkt, dass die allesamt meine 50 qm zumüllen, umso mehr. Es sind alles keine großen, wuchtigen Geräte, und doch rauben sie Platz.
Angenehm ist der Gedanke, einen ganzen Schwung Plastik loszuwerden und dafür mit plastikfreien Alternativen arbeiten zu können - und natürlich mit den Händen, ganz klar. In erster Linie unterstützen diese elektrischen Helferlein ja nur unsere angeborene Faulheit und unseren Drang nach neuem Spielzeug. Zumindest habe ich nun gelernt, in Zukunft etwas bedachter an etwaige Käufe heranzugehen, um mir weitere dieser Ausmist-Aktionen in Zukunft zu ersparen.
Montag, 14. April 2014
Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 2
Elektrische Haushaltsgeräte sind die Wunderkinder der Konsumwelt, die Streber im Elektroladen und die verhasste Brut im Küchenschrank. Wohl kaum ein Utensil traf den Nerv der Zeit so sehr wie all die praktischen Helferlein, die uns den Alltag erleichtern sollen, indem sie uns die mühseligen Handgriffe und Tätigkeiten abnehmen, die wir sonst mit Muskelkraft bewältigen müssten.
So klingt es zumindest in der bunt geblümten Werbe-Welt. Aber dort können Einhörner ja auch Regenbögen pupsen. Validität = 0.
Leider sind diese Geräte aber auch ein Paradebeispiel des Konsumirrsinns - man erkennt erst genau dann das eigene Bedürfnis nach dem Etwas, nachdem man es gesehen hat. Haben-Wollen in Perfektion, das uns Geld, Zeit, Platz und Nerven raubt.
Im Wohnzimmer tummeln sich naturgemäß größtenteils Unterhaltungsgeräte. Ob man die braucht, ist müßig zu beantworten - verzichten kann man auf vieles, aber man kann sich ja auch von Wasser und Heuschrecken ernähren. Ob es vergnüglich ist, ist eine ganz andere Nummer. Bis auf die zwei-drei-vielen Konsolen, die ich horte (verflixter Sammeltrieb ...), hänge ich an den meisten Geräten und denke deshalb so hurtig nicht über ein Ende dieser Liason nach. Aber das Stichwort Unterhaltung macht einem solche fadenscheinigen Argumente natürlich leicht.
Küche:
Erwartungsgemäß tummeln sich in der Küche so einige Elektroleichen, die man sich aus einer Laune heraus und ohne Nachdenken angeschafft hat. Leider sinkt der Wert dieser Geräte nach dem Kauf auf nahezu 0 - ein Wiederverkauf ist nahezu unmöglich bzw. nur mit großen Verlusten verbunden. Nur wertstabile Marken verhalten sich da etwas dankbarer, sind aber natürlich wiederum teurer, dafür aber langlebiger.
Nächste Woche geht es dann in die letzte Runde, und wir werfen mal einen Blick in Bad und Abstellraum. Hier verstecken sich ja gern die hässlichen Brüder und Schwestern der Hochglanz-Helferlein, die man vielleicht einmal im Jahr von ihrem Staub befreit und sich immer wieder darüber ärgert, wie nutzlos und / oder unpraktisch sie sind. Ihr dürft also gespannt sein!
So klingt es zumindest in der bunt geblümten Werbe-Welt. Aber dort können Einhörner ja auch Regenbögen pupsen. Validität = 0.
Leider sind diese Geräte aber auch ein Paradebeispiel des Konsumirrsinns - man erkennt erst genau dann das eigene Bedürfnis nach dem Etwas, nachdem man es gesehen hat. Haben-Wollen in Perfektion, das uns Geld, Zeit, Platz und Nerven raubt.
Rückblick
Bereits letzte Woche habe ich bei einem Streifzug durch meine Wohnung eine Inventurliste all meiner elektrischen Geräte erstellt. Zum einen, um mir bewusst zu werden, wie viel Krempel ich tatsächlich horte. Zum anderen, um mal streng mit mir zu sein und zu entscheiden, ob ich die ganzen Geräte tatsächlich brauche und von welchen ich mich womöglich schmerzfrei trennen kann.Im Wohnzimmer tummeln sich naturgemäß größtenteils Unterhaltungsgeräte. Ob man die braucht, ist müßig zu beantworten - verzichten kann man auf vieles, aber man kann sich ja auch von Wasser und Heuschrecken ernähren. Ob es vergnüglich ist, ist eine ganz andere Nummer. Bis auf die zwei-drei-vielen Konsolen, die ich horte (verflixter Sammeltrieb ...), hänge ich an den meisten Geräten und denke deshalb so hurtig nicht über ein Ende dieser Liason nach. Aber das Stichwort Unterhaltung macht einem solche fadenscheinigen Argumente natürlich leicht.
Eine Inventur - und weiter geht's!
Heute ziehen wir die Daumenschrauben mal etwas fester und gehen dahin, wo sich jede Steckdose sofort heimisch fühlt - nämlich in dieKüche:
- Wasserkocher: Daran scheiden sich die Geister, aber da ich a) einen Durchlauferhitzer habe und b) einen eher lahmen E-Herd, brühe ich Wasser für Nudeln oder Geschirrwasser immer vor, um Energie zu sparen. Für mich also absolut sinnvoll - brauch ich täglich
- Toaster: Geschmackssache, sicherlich. Ich backe oft eingefrorene Brötchen auf oder stecke altes, trocken gewordenes Brot in den Toaster. Erspart den Backofen und vermeidet weggeworfenes Brot - brauch ich 2 x pro Woche
- Mikrowelle: Die einen verehren sie, die anderen verteufeln sie. Ich nutze sie gerne, um den Herd nicht wegen einer Schale Suppe von gestern oder meinem Mikrowellenpferdchen anwerfen zu müssen. Man könnte durchaus ohne sie leben, aber sie spart im gewissen Maße Energie und geht einfach schneller - brauche ich 1 x pro Woche --> verzichtbar!
- Mini-Backofen: Beim Einzug in meine Singlewohnung schenkte mir meine Mutter das Ding, um etwa Brötchen oder auch mal einen Kuchen backen zu können. War ich anfangs skeptisch, entdeckte ich rasch die Vorteile: Schnell aufgeheizt, wenig Stromverbrauch, ideal für kleine Backwaren. Nachteil ist natürlich der Platzbedarf - brauche ich 2 x pro Monat
- Herd und Kühlschrank: Der Vollständigkeit halber nehme ich auch diese beiden Gesellen mit auf. Waren sie zu Omas Zeiten noch Luxus, kann man ohne sie heutzutage nur schwer haushalten - zumindest ohne nicht-elektrische Kochalternative und kühlem Keller. Habe ich beides nicht, insofern betrachte ich diese Geräte als absolut notwendig und verzichte auf eine Einschätzung ihres Gebrauchs.
- Gefrierschrank: Lange habe ich überlegt, ob ich ihn brauche. Aber angesichts meines winzigen Gefrierfachs im Kühlschrank kann ich nahezu nichts einfrieren, was an Resten übrig bleibt. Und weggwerfen kommt für mich nie in Frage. Single-Portionen zu kochen ist schwierig. Natürlich frisst der Schrank Strom, und zwar nicht zu knapp, aber er unterstützt mein Kochen nicht unerheblich, da er auch TK-Gemüse (leichter zu portionieren als frisches) und Brot (damit ich nicht tagelang das gleiche essen muss) beherbergt - brauche ich täglich
- Reiskocher: Reis esse ich selten, mag ihn aber so wie beim Chinesen - klebrig und nicht zu weich gekocht. Im Topf ist das eher Glückssache, aber dieser Reiskocher schafft den Reis immer auf den Punkt. Da er eher klein ist, nimmt er wenig Platz weg. Ob ich ihn aber wieder kaufen würde, bezweifle ich angesichts der Nutzungshäufigkeit - brauche ich 1 x pro Monat --> verzichtbar!
- Tauchsieder: Lacht nicht - ich koche gerade in Hotels abends gern mal einen Tee und schleife dafür notfalls Tasse und Beutel mit. Der Tauchsieder erhitzt eine Tasse Wasser innerhalb weniger Minuten und ist damit verdammt angenehm. Die Frage ist natürlich, ob man abends im Hotel Tee braucht - ich jedenfalls schon, zu viel reines Wasser vertrage ich nicht. Da ich aber selten in Hotels bin, beschränkt sich seine Nutzung auf vielleicht eine Woche pro Jahr - brauche ich 1 x pro Jahr
- Cafissimo: Über die Maschine redete ich schon bei meinem Kapsel-Recycling. Ich brühe ganz gern mal aus Faulheit damit, könnte aber auch problemlos mit dem Filter Kaffee zubereiten - brauche ich 1 x Woche --> verzichtbar!
- Getreidemühle: Ein Geschenk meiner Mutter zum bestandenen Studium ist meine kleine Fidibus von Komo. Selbstgemahltes Getreide ist die Wucht, und da ich wöchentlich Brot backe, rattern einige Kilo im Monat durch den Trichter. Es bieten zwar viele Bioläden an, das Getreide zu mahlen, aber dann verliert es ja auch wieder direkt seine Inhaltsstoffe. Auf die Mühle will ich also nicht verzichten - brauche ich 2 x pro Monat
- Kaffeemühle: Auch Kaffeebohnen mahle ich vor dem Brühen frisch. Dazu nutze ich eine kleine, handliche Kaffeemühle von Krups, die schon viiiele Jahre auf dem Buckel (ich schätze mal gute 20 - 30) und kaum Teile hat, die kaputt gehen können - brauche ich 1 x pro Woche
- Mixer: Rührkuchen heißt Rührkuchen, weil man ihn zu Omas Zeiten rührte. Und zwar lange - in einem Kochbuch von 1900 las ich etwas von locker 30-60 Minuten. Heute hält man ein Wundermaschinchen in den Teig und hat binnen Minuten einen fluffigen, schaumigen Teig. Es geht ohne Technik, aber dafür braucht man Muckis *schwitz* - brauche ich 2 x pro Monat
- Eismaschine: Ich weiß nicht, in welchem seelischen Zustand ich mich befand, als ich das Teil kaufte - wahrscheinlich war es draußen heiß, ebay menschenleer und ich verspürte ein übles Zucken im rechten Zeigefinger. Jedenfalls ersteigerte ich das Mist-Ding für 1 €. Leider arbeitet das Gerät ohne Kompressor, und das merkt man auch - das Eis schmilzt durch die Motorwärme schneller, als die Schüssel kühlen kann. Buäh - brauche ich gar nicht --> verzichtbar!
Erwartungsgemäß tummeln sich in der Küche so einige Elektroleichen, die man sich aus einer Laune heraus und ohne Nachdenken angeschafft hat. Leider sinkt der Wert dieser Geräte nach dem Kauf auf nahezu 0 - ein Wiederverkauf ist nahezu unmöglich bzw. nur mit großen Verlusten verbunden. Nur wertstabile Marken verhalten sich da etwas dankbarer, sind aber natürlich wiederum teurer, dafür aber langlebiger.
Nächste Woche geht es dann in die letzte Runde, und wir werfen mal einen Blick in Bad und Abstellraum. Hier verstecken sich ja gern die hässlichen Brüder und Schwestern der Hochglanz-Helferlein, die man vielleicht einmal im Jahr von ihrem Staub befreit und sich immer wieder darüber ärgert, wie nutzlos und / oder unpraktisch sie sind. Ihr dürft also gespannt sein!
Montag, 7. April 2014
Mein Toaster, mein Reiskocher und ich - Teil 1
Als ich letzte Woche in meinem Aufreger der Woche von meinem verstorbenen Fernseher berichtete, kam mir die Idee, doch mal eine gründliche Bestandsaufnahme all meiner elektrischen Haushaltsgeräte zu machen - und dabei wirklich kritisch zu hinterfragen, ob ich sie brauche und wie oft ich sie tatsächlich schon benutzt habe.
Und es gibt ja wirklich nichts, was es nicht gibt. Lasse ich mir bei Amazon alle Haushaltsgeräte auflisten, kommen Must-Haves wie Staubsauger und Bügeleisen, aber genauso auch Exoten wie Popcornmaschinen, Messerschärfer, Cake Pop-Maker und elektische Flaschenöffner. Schöne, bunte Elektrowelt.
Am besten überlegt man natürlich schon vor dem Kauf, ob man das Gerät wirklich braucht. Dazu sollte man ehrlich zu sich sein und sich ein paar Fragen stellen:
Deshalb habe ich eine gründliche Inventur gemacht, mit der ich am Ende entscheiden will, welche Geräte ich unbedingt brauche und welche ich vielleicht verkaufen oder verschenken kann, weil sie nur Platz rauben und absolut sinnfrei sind.
Fangen wir also mal ganz gemächlich an, mit Dingen, die eigentlich (fast) jeder hat, nämlich im
Wohnzimmer:
So viel schon mal bis hierhin. Im nächsten Teil schnuppern wir dann mal in die Küche - dort wimmelt es ja bekanntermaßen nur so vor elektrischen Helferlein, die das Kochen einfacher, bequemer und besser machen sollen.
Ob dem so ist? Fortsetzung folgt ;-)
Retter in allen Lebenslagen
Solche Haushaltshelferlein werden einem ja auf Schritt und Tritt angeboten - nicht nur im Elektromarkt, sondern auch bei den Angeboten namhafter Drogermärkte, im Supermarkt, als Geschenk für ein Zeitschriftabo, im Discounter, damals bei Teleshopping *grusel*, einfach überall. Billig, praktisch, und ohne dieses Gerät ist man nahezu lebensunfähig oder zumindest eine ganz, ganz schlechte Hausfrau - wenn man der Werbung glauben mag.![]() |
| Quelle: allgemeinbildung.ch |
Und es gibt ja wirklich nichts, was es nicht gibt. Lasse ich mir bei Amazon alle Haushaltsgeräte auflisten, kommen Must-Haves wie Staubsauger und Bügeleisen, aber genauso auch Exoten wie Popcornmaschinen, Messerschärfer, Cake Pop-Maker und elektische Flaschenöffner. Schöne, bunte Elektrowelt.
Braucht man das wirklich?
Die Frage sollte man sich ab einem gewissen "Fuhrpark" wirklich stellen. Nicht nur, dass die Geräte Geld kosten, sie rauben auch Platz, entpuppen sich nach erstmaliger Benutzung als unpraktisch, sind schwer zu reinigen oder gar komplett funktionsuntüchtig, oder sie sind am Ende sogar noch gefährlich, weil aus Preisgründen keine hitzeisolierenden Oberflächen oder Sicherheitsabschalter eingebaut wurden. Am Ende bleibt nur teurer und unnützer Elektroschrott.Am besten überlegt man natürlich schon vor dem Kauf, ob man das Gerät wirklich braucht. Dazu sollte man ehrlich zu sich sein und sich ein paar Fragen stellen:
- Wie oft nutze ich das Gerät?
- Brauche ich weiteres Zubehör oder besondere Zutaten? (Küchenmaschine)
- Wenn es Zubehör gibt: Wie leicht lässt es sich besorgen? (Spezialgeschäfte, nicht mehr unterstützte Auslaufmodelle)
- Kann ich auch ein anderes Gerät dafür zweckentfremden bzw. die Aktion auch von Hand erledigen? (Crepe-Maker vs. Pfanne)
- Erfüllt es die gängigen Sicherheitsnormen?
- Birgt es eine Verletzungsgefahr? (heiße Oberflächen, ungeschützte Klingen)
- Lässt es sich platzsparend verstauen?
- Wie einfach geht die Reinigung? Bin ich bei Handarbeit am Ende sogar noch schneller? (elektrischer Entsafter)
- Kann man das Gerät in hochwertigerer Ausführung auch mieten? (Schokobrunnen)
- Wenn ich es unbedingt haben muss: Kann ich es auch gebraucht kaufen?
- Wird es eventuell günstiger, wenn ich noch ein paar Monate warte? (Trends, neue Technologien)
Eine Bestandsaufnahme
Auch ich bin von solchen Wundermaschinchen leider nicht ganz verschont geblieben *schluck* Hätte ich mir die Fragen oben früh genug gestellt, würden vermutlich ein paar Geräte fehlen, aber ich würde ihre Abwesenheit nicht wirklich spüren.Deshalb habe ich eine gründliche Inventur gemacht, mit der ich am Ende entscheiden will, welche Geräte ich unbedingt brauche und welche ich vielleicht verkaufen oder verschenken kann, weil sie nur Platz rauben und absolut sinnfrei sind.
Fangen wir also mal ganz gemächlich an, mit Dingen, die eigentlich (fast) jeder hat, nämlich im
Wohnzimmer:
- Laptop 1: Mein Reisenotebook, klein und leicht. Damit schreibe ich, höre Musik, surfe - brauche ich täglich
- Laptop 2: Großer 17-Zöller von der Uni, günstig abgekauft. Wird hauptsächlich zum Arbeiten bzw. für Onlinebanking genutzt, da der Kleine einen spiegelnden Monitor hat, den das TAN-Gerät nicht verträgt - brauche ich 1 x Woche
- Tower PC: Das Monster in meinem Rechner-Fuhrpark. Stark und mit großer Platte, aber leider auch mit hungrigem Netzteil. Deshalb dient er fast nur noch als Backup - brauche ich 1 x pro Monat
- Monitor: Essentiell, um den Tower zu betreiben. Wird von daher genauso oft (bzw. wenig) genutzt wie der Computer - brauche ich selten
- Router: Na ja, erklärt sich von selbst: kein Router, kein Internet - brauche ich täglich
- Hi-Fi-Anlage: Wenn ich schon nicht Fernsehn schaue, will ich wenigstens Musik hören - brauche ich täglich
- Xbox 360: ohne Fernseher natürlich so nützlich wie ein Rührlöffel ohne Topf - brauche ich (mittlerweile) gar nicht
- Super Nintendo: Ja, ja, die Konsolen. Mein Groschengrab in meiner Jugend. Aus nostalgischen Gründen gebe ich sie nie und nimmer her. Wirtschaftlich also ein Totalschaden, aber irgendwas Unnützes muss man ja auch haben, oder? - brauche ich gar nicht
- Playstation 2: Begründung siehe oben
- Nintendo 64: Begründung siehe ebenfalls oben ;-)
- Gamecube: Na, jetzt hört's aber auf. Wird ja schon fast peinlich hier, so als Game-Messie ...
- D-LAN: Um die Konsole nicht über WLAN zu betreiben, ziehe ich den Netzanschluss über das Stromnetz. Da die Konsole aber nicht genutzt wird, brauche ich auch die Adapter nicht mehr - brauche ich gar nicht --> verzichtbar!
- Nähmaschine: Müsste ich mich für maximal 3 Geräte entscheiden, die Singer wäre dabei. Ohne sie kann ich nicht leben, punkt - brauche ich absolut täglich
So viel schon mal bis hierhin. Im nächsten Teil schnuppern wir dann mal in die Küche - dort wimmelt es ja bekanntermaßen nur so vor elektrischen Helferlein, die das Kochen einfacher, bequemer und besser machen sollen.
Ob dem so ist? Fortsetzung folgt ;-)
Samstag, 5. April 2014
Kapsel-Recycling
Ich bin zwar kein Kaffee-Suchti, aber ab und an habe auch ich nichts gegen ein Tässchen einzuwenden. Seit einiger Zeit nutze ich zum Aufbrühen fast nur noch einen guten alten Porzellanfilter, der für mich den weltbesten Kaffee aufbrüht - und noch dazu herrlich wenig Platz wegnimmt und absolut idiotensicher zu benutzen ist. Filterpapier rein, Kaffee rein, Kanne drunter, Wasser drauf, fertig. Dank meiner putzigen kleinen Kaffeemühle kann ich den Kaffee portionsweise mahlen und habe - im entferntesten Sinne - also auch eine super Kaffeemaschine ;-)
Fürs Nachmittagskäffchen habe ich aber selten den Nerv, Kaffee zu kochen, deshalb nutze ich dann außnahmsweise die Plastikschleuder *schäm* Zu meiner Verteidigung: Es war ein ebay-Schnapper (2 €, so wahr ich hier stehe - es gab keinen Versand, nur Selbstabholung hier in Hannover).
Leider hat der Kaffeespucker die Schwäche aller modernen Kapselmaschinen: den anfallenden Müll. Und wenn man von dem Berg Restmüll mal absieht, kostet der portionierte Kaffee umgerechnet auch ein kleines Vermögen - dafür könnte ich in die Handrösterei in der Stadt gehen und mir die teuersten Bohnen kaufen.
Ich testete mutig die erste befüllte Kapsel und erwartete vieles: von einer Kaffeefontäne, die sich als Kaskade bis in den letzten Winkel der Küchenzeile ergießt, über schmaddeliges Kaffeewasser mit Bodensatz in der Tasse, bis hin zu Systemstörungen und wild blinkenden Lämpchen an der Maschine.
Und ich bekam Kaffee.
Der nach Kaffee aussah, roch und schmeckte. Maschine blieb heil, Kapsel blieb ganz, ich war happy.
Viel Vergnügen beim Basteln ;-)
Fürs Nachmittagskäffchen habe ich aber selten den Nerv, Kaffee zu kochen, deshalb nutze ich dann außnahmsweise die Plastikschleuder *schäm* Zu meiner Verteidigung: Es war ein ebay-Schnapper (2 €, so wahr ich hier stehe - es gab keinen Versand, nur Selbstabholung hier in Hannover).
Leider hat der Kaffeespucker die Schwäche aller modernen Kapselmaschinen: den anfallenden Müll. Und wenn man von dem Berg Restmüll mal absieht, kostet der portionierte Kaffee umgerechnet auch ein kleines Vermögen - dafür könnte ich in die Handrösterei in der Stadt gehen und mir die teuersten Bohnen kaufen.
Folgenschwere Mülltrennung
Durch Zufall entdeckte ich beim Versuch, im Sinne der Mülltrennung Kaffeesatz und Kapsel separat zu entsorgen, dass sich die Kapseln nach dem Öffnen wieder schließen lassen. Und mehr noch: Nach kurzer Recherche im Internet erfuhr ich, dass man die Kapseln tatsächlich erneut füllen und verwenden kann - die Maschine interessiert es nicht, ob das Aludeckelchen oben und unten noch dran ist.Ich testete mutig die erste befüllte Kapsel und erwartete vieles: von einer Kaffeefontäne, die sich als Kaskade bis in den letzten Winkel der Küchenzeile ergießt, über schmaddeliges Kaffeewasser mit Bodensatz in der Tasse, bis hin zu Systemstörungen und wild blinkenden Lämpchen an der Maschine.
Und ich bekam Kaffee.
Der nach Kaffee aussah, roch und schmeckte. Maschine blieb heil, Kapsel blieb ganz, ich war happy.
How to do
Die Kapseln lassen sich relativ einfach öffnen und befüllen:- Nach dem ersten Benutzen sieht die Kapsel so aus: Oben und unten wird von der Maschine ein Loch eingestanzt, damit das Wasser durchfließen kann.
- Die obere Folie entfernen - das geht am besten mit einem kleinen spitzen Messer. Unter der Folie verbirgt sich ein kleines Sieb.
- Die Kapsel umdrehen und vorsichtig zusammendrücken, dadurch springt das Sieb ab. Dann die Kapsel vorsichtig ausklopfen, so dass der Kaffeesatz herausfällt. Am Boden der Kapsel befindet sich ein weiteres, kleineres Sieb.
- Die drei Teile reinigen und trocknen.
- Zum Befüllen das kleine Sieb wieder einsetzen und Kaffeepulver einfüllen (die Menge richtet sich nach der gewünschten Kaffeestärke - ich fülle den Kaffee locker bis zum oberen Rand ein und streiche ihn dann kurz glatt, ohne fest zu drücken). Das obere Sieb auflegen und sachte andrücken, es rastet kaum merklich ein - so bleibt der Kaffee auch an Ort und Stelle.
- Die Kapsel wie gewohnt in die Maschine einsetzen und den Kaffee brühen.
Viel Vergnügen beim Basteln ;-)
Mittwoch, 19. März 2014
Jeans nach Maß
Als Frau kann man vermutlich ein Lied davon singen - Jeans zu kaufen ist der blanke Horror. Zu lang, zu kurz, am Bund zu eng, am Bein zu schmal, die Taschen zu tief, vorne Falten, hinten faustbreiter Abstand zum Kreuz.
Im Schnitt schlüpft frau in 10 verschiedene Hosen, ehe sie sich für eine davon entscheidet. Die absolut passende Traumjeans ist das allerdings selten. Meistens gibt man sich mit "Na ja"-Käufen zufrieden, um den Hintern wenigstens in irgendwas halbwegs Passendes zu verfrachten. Von diesen Jeans hat man dann einige im Schrank, die man 2 oder 3 mal anzieht, ehe man sie zu lebenslanger Haft am Bügel verdonnert. Von geplanten Änderungsarbeiten (verkürzen, Bund enger nähen) bis hin zu zukunftsträchtigen Plänen (reinschrumpfen wollen!) sind genug Ausreden dabei, um die Hose so schnell nicht mehr hervorzuholen. Und irgendwann mag man die Bux gar nicht mehr ansehen, geschweige denn tragen.
Zwei findige Schweizer haben zu diesem Dilemma einen Online-Shop eröffnet, in dem man sich seine Jeans nach Maß schneidern lassen kann: Selfnation.
Das Prozedere ähnelt anderen Online-Schneidereien: Jeansart wählen, verschiedene Körperstellen messen, Größe eingeben, abschicken, warten.
Mich als Informatiker fasziniert allerdings die Technik dahinter: Die Schnitte, aus denen später in einer deutschen Schneiderei die Jeanshosen entstehen, werden nicht von Hand oder durch den Schneider am PC entworfen, sondern durch einen Algorithmus auf Basis der Körpermaße konstruiert, den die beiden Shop-Gründer entwickelt haben. Nach der Eingabe aller Daten sieht man dann ein Modell der Jeans, wie sie in natura an einem selbst aussehen würde. Finde ich persönlich ja sehr cool :)
Preislich liegt die Jeans natürlich etwas über dem klassischen C&A-Schnapper - aber wenn man bedenkt, dass die Jeans zum einen in Deutschland und zum anderen maßgefertigt ist, sind die knapp 220 CHF (etwa 180 €) ziemlich fair. Für eine Markenjeans, die im Außland in Massen genäht wird, legt man schließlich auch bedenkenlos 100 € hin.
Weitere Infos findet man übrigens noch in diesem Videobeitrag von 3Sat:
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/technik/175545/index.html
Im Schnitt schlüpft frau in 10 verschiedene Hosen, ehe sie sich für eine davon entscheidet. Die absolut passende Traumjeans ist das allerdings selten. Meistens gibt man sich mit "Na ja"-Käufen zufrieden, um den Hintern wenigstens in irgendwas halbwegs Passendes zu verfrachten. Von diesen Jeans hat man dann einige im Schrank, die man 2 oder 3 mal anzieht, ehe man sie zu lebenslanger Haft am Bügel verdonnert. Von geplanten Änderungsarbeiten (verkürzen, Bund enger nähen) bis hin zu zukunftsträchtigen Plänen (reinschrumpfen wollen!) sind genug Ausreden dabei, um die Hose so schnell nicht mehr hervorzuholen. Und irgendwann mag man die Bux gar nicht mehr ansehen, geschweige denn tragen.
Zwei findige Schweizer haben zu diesem Dilemma einen Online-Shop eröffnet, in dem man sich seine Jeans nach Maß schneidern lassen kann: Selfnation.

Das Prozedere ähnelt anderen Online-Schneidereien: Jeansart wählen, verschiedene Körperstellen messen, Größe eingeben, abschicken, warten.
Mich als Informatiker fasziniert allerdings die Technik dahinter: Die Schnitte, aus denen später in einer deutschen Schneiderei die Jeanshosen entstehen, werden nicht von Hand oder durch den Schneider am PC entworfen, sondern durch einen Algorithmus auf Basis der Körpermaße konstruiert, den die beiden Shop-Gründer entwickelt haben. Nach der Eingabe aller Daten sieht man dann ein Modell der Jeans, wie sie in natura an einem selbst aussehen würde. Finde ich persönlich ja sehr cool :)
Preislich liegt die Jeans natürlich etwas über dem klassischen C&A-Schnapper - aber wenn man bedenkt, dass die Jeans zum einen in Deutschland und zum anderen maßgefertigt ist, sind die knapp 220 CHF (etwa 180 €) ziemlich fair. Für eine Markenjeans, die im Außland in Massen genäht wird, legt man schließlich auch bedenkenlos 100 € hin.
Weitere Infos findet man übrigens noch in diesem Videobeitrag von 3Sat:
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/technik/175545/index.html
Mittwoch, 12. März 2014
1 Jahr ohne Konsum
Solche 1-Jahres-Selbstversuche scheinen die letzten Jahre immer mehr zum Trend zu werden. Sei es der Verzicht auf Plastik, anständiges Essen, nix kaufen, alles selber machen oder tägliche Reduktion des ökologischen Fußabdrucks - es ist faszinierend zu sehen, wie sich Menschen für einen längeren Zeitraum ein Ziel setzen, das ihnen selbst im ersten Moment eine Einbußung von Lebensqualität bringt, ja, sie sogar anfangs sehr nahe ans Scheitern treibt.
Umso verblüffender ist es dann, dass sich dieser selbst auferlegte Verzicht zu einer Bereicherung und Verbesserung des eigenen Lebens mausert, indem er zeigt, dass weniger tatsächlich mehr sein kann. Und dass ein "Zu viel" das verschüttet, was einem im Leben wirklich etwas bedeutet.
Der nächste Selbstversuch in diesem Zuge stammt von Greta Taubert: Apokalypse Jetzt!
Ein Jahr lang kein Konsum, also (fast) völlige Autarkie. Containern, schlafen im Wald oder im Bauwagen, eigene Kleidung nähen, Lebensmittel anbauen, auf die Jagd gehen. Das alles geschieht vor dem Hintergrund der drohenden Ressourcen-Knappheit, also ein "Was wäre, wenn?"-Spiel der Art: Was geschieht, wenn unsere Wohlstandsgesellschaft zusammenbricht, wenn die Krisen in den schon so lange prophezeiten Abgrund führen?
Über das Buch bin ich durch Artikel der Welt und des Spiegels gestolpert und habe es direkt auf meine Bücher-Wunschliste aufgenommen. Eine kleine Rezi folgt dann, sobald ich mich durchgelesen habe :-)
Umso verblüffender ist es dann, dass sich dieser selbst auferlegte Verzicht zu einer Bereicherung und Verbesserung des eigenen Lebens mausert, indem er zeigt, dass weniger tatsächlich mehr sein kann. Und dass ein "Zu viel" das verschüttet, was einem im Leben wirklich etwas bedeutet.
Der nächste Selbstversuch in diesem Zuge stammt von Greta Taubert: Apokalypse Jetzt!
Ein Jahr lang kein Konsum, also (fast) völlige Autarkie. Containern, schlafen im Wald oder im Bauwagen, eigene Kleidung nähen, Lebensmittel anbauen, auf die Jagd gehen. Das alles geschieht vor dem Hintergrund der drohenden Ressourcen-Knappheit, also ein "Was wäre, wenn?"-Spiel der Art: Was geschieht, wenn unsere Wohlstandsgesellschaft zusammenbricht, wenn die Krisen in den schon so lange prophezeiten Abgrund führen?
Über das Buch bin ich durch Artikel der Welt und des Spiegels gestolpert und habe es direkt auf meine Bücher-Wunschliste aufgenommen. Eine kleine Rezi folgt dann, sobald ich mich durchgelesen habe :-)
Montag, 3. März 2014
Staffellauf im Kleiderschrank
Bei meinen Kleiderschrank-Inspektionen stelle ich immer wieder ein überraschendes Phänomen bei mir fest: Die Klassen-Gesellschaft in den Fächern. Geht es euch da auch so?
Alle Klamotten sind streng hierarchisch geordnet und werden nur zu bestimmten Anlässen bzw. an bestimmten Orten getragen - etwa zuhause oder außerhalb der eigenen 4 Wände im Büro. Die Kleider wechseln dabei während ihrer Lebenszeit die Klassen und steigen gewissermaßen ab: Vom Edelfummel bis zur Schlunzklamotte.
Ich habe festgestellt, dass ich genau 4 solcher Klassen habe:
Auch wenn ich sagen muss, dass Klasse 5 eher aus einer Not heraus entstanden ist. Hauptsächlich sind hier Jeans zu finden - und alle Frauen mit Figuren jenseits der Norm wissen um das Elend eines Jeanskaufs. Ich, mit offenbar zu starkem Taille-Hüfte-Verhältnis und Hohlkreuz, plage mich seit jeher mit Hosen herum, die hinten eine Fusselrampe haben, also faustbreit abstehen. Gürtel mag ich nicht, einnähen geht sehr selten bei Jeansstoff. Das Ergebnis ist, dass ich immer nur 1-2 wirklich gut passende Jeans besitze, die ich gnadenlos trage, bis sie in Fetzen hängen. Und die Fetzen landen dann zum Verwursten in Klasse 5, nebst anderen zerschlissenen oder wirklich ungeliebten Stücken.
Alle Klamotten sind streng hierarchisch geordnet und werden nur zu bestimmten Anlässen bzw. an bestimmten Orten getragen - etwa zuhause oder außerhalb der eigenen 4 Wände im Büro. Die Kleider wechseln dabei während ihrer Lebenszeit die Klassen und steigen gewissermaßen ab: Vom Edelfummel bis zur Schlunzklamotte.
Ich habe festgestellt, dass ich genau 4 solcher Klassen habe:
- Praktisch neue, hochwertige Kleidung: Wird sehr, sehr selten getragen, weil sie zu gut / schön / teuer / liebgewonnen ist und man sie schonen will. Insofern wird sie maximal zu festlichen oder besonderen Gelegenheiten getragen.
- Alltagskluft für Büro, Einkaufsbummel, Kino mit Freunden: Etwas weniger gut und edel als Klasse 1, aber dennoch absolut gesellschaftsfähig. Hier tummeln sich hauptsächlich klassische Schnitte, die sich gut kombinieren lassen.
- Schlunz-Klamotten für zuhause: Die sieht man nur selbst bzw. die Familie, maximal auch noch die Kassiererin im Supermarkt oder der Postbote. Größtenteils etwas abgetragene, aber trotzdem gut erhaltene ehemalige Mitglieder von Klasse 2.
- Peinlichkeiten: Hier wirds hässlich - verrupft, fleckig, fadenscheinig oder einfach nur grottig geschnitten. Mitglieder dieser Klasse will man nicht mal Männeke vorführen, die trägt man nur samstags morgens, wenn man allein zuhause ist, weder frisiert noch geschminkt ist und weiß, dass man keine größere Post erwartet, für die man dem Boten öffnen muss.
Auch wenn ich sagen muss, dass Klasse 5 eher aus einer Not heraus entstanden ist. Hauptsächlich sind hier Jeans zu finden - und alle Frauen mit Figuren jenseits der Norm wissen um das Elend eines Jeanskaufs. Ich, mit offenbar zu starkem Taille-Hüfte-Verhältnis und Hohlkreuz, plage mich seit jeher mit Hosen herum, die hinten eine Fusselrampe haben, also faustbreit abstehen. Gürtel mag ich nicht, einnähen geht sehr selten bei Jeansstoff. Das Ergebnis ist, dass ich immer nur 1-2 wirklich gut passende Jeans besitze, die ich gnadenlos trage, bis sie in Fetzen hängen. Und die Fetzen landen dann zum Verwursten in Klasse 5, nebst anderen zerschlissenen oder wirklich ungeliebten Stücken.
Dienstag, 25. Februar 2014
Sterntaler 2.0
Second Hand hatte vor einigen Jahren noch einen miefigen, trutschigen Klang. Wie, du kaufst gebrauchte Klamotten? Wie unhygienisch! Wie arm! Und überhaupt, wieso tut mensch so was, wo die Läden voll sind mit unschuldigen, ungetragenen Kleidungsstücken, die jämmerlich den Käufer anbetteln, dass er sie mitnimmt, hinein in den kuschelig warmen Schrank zu seinen neuen Kumpels? Ein Herz für Klamotten! Rettet die T-Shirts vor dem Final Sale!
Ich erinnere mich noch recht lebhaft daran, dass ich meine erste Demütigung im Second Hand-Laden um die Ecke erfuhr - nämlich beim Kauf meines Kommunionkleides. Aus heutiger Sicht hat meine Mutter natürlich ökologisch korrekt gehandelt, als sie mir ein Kleid, das ich maximal 2 Mal in meinem Leben tragen würde, gebraucht kaufte. Damals war das für mich allerdings ein Verrat. Wer träumt in dem Alter nicht davon, im Brautmoden-Geschäft in herrlichen Prinzessinnenkleidchen zu baden, dutzende anzuprobieren und dann nach Stunden das eine, das nur auf einen gewartet hat, stolz zur Kasse zu tragen?
Tja, ich stand hingegen zwischen gefühlten zwanzig Twinsets, alten Cordhosen, plüschigen und mottenzerfressenen Jacken und pellte mich hinter einem provisorischen Vorhang in zwei Kleidchen, die man mir zur Auswahl reichte. Mehr war nicht da in meiner Größe (ich war schon damals ein Lulatsch).
Nun gut, das sind fast 2 Jahrzehnte her, und heute bin ich als konsumkritischer Mensch dem Thema "Gebrauchtes" gegenüber etwas anders eingestellt. Was allerdings auch an der Einstellung der Gesellschaft liegt. Second Hand ist tot, es lebe der Vintage! Nun ist es cool, sich durch Flohmärkte und Tauschpartys zu graben und die errungenen Schätzchen dann, kombiniert mit der neuesten Mode, auszuführen.
Leider fehlt mir immer noch der Nerv, in den Bergen gebrauchter Kleidung das zu suchen, was ich gerade brauche (ich kaufe Klamotten tatsächlich nach dem Einkaufslisten-Prinzip - also mit einer ganz bestimmten Vorstellung auf die Jagd gehen und auch nur das kaufen. Ja, das kann ich wirklich. Zumindest meistens.).
Insofern sind Online-Tauschbörsen wie der Kleiderkreisel für mich eine Offenbarung:
Ich kann Kleidungsart, Größe, Farbe und Material angeben und genau das finden, was ich gerne haben möchte. Aber das ist nicht der einzige Vorteil in meinen Augen:
Und schon hat mich ein Mensch zufrieden gemacht.
Ein Sterntaler 2.0 eben.
Ich erinnere mich noch recht lebhaft daran, dass ich meine erste Demütigung im Second Hand-Laden um die Ecke erfuhr - nämlich beim Kauf meines Kommunionkleides. Aus heutiger Sicht hat meine Mutter natürlich ökologisch korrekt gehandelt, als sie mir ein Kleid, das ich maximal 2 Mal in meinem Leben tragen würde, gebraucht kaufte. Damals war das für mich allerdings ein Verrat. Wer träumt in dem Alter nicht davon, im Brautmoden-Geschäft in herrlichen Prinzessinnenkleidchen zu baden, dutzende anzuprobieren und dann nach Stunden das eine, das nur auf einen gewartet hat, stolz zur Kasse zu tragen?
Tja, ich stand hingegen zwischen gefühlten zwanzig Twinsets, alten Cordhosen, plüschigen und mottenzerfressenen Jacken und pellte mich hinter einem provisorischen Vorhang in zwei Kleidchen, die man mir zur Auswahl reichte. Mehr war nicht da in meiner Größe (ich war schon damals ein Lulatsch).
Nun gut, das sind fast 2 Jahrzehnte her, und heute bin ich als konsumkritischer Mensch dem Thema "Gebrauchtes" gegenüber etwas anders eingestellt. Was allerdings auch an der Einstellung der Gesellschaft liegt. Second Hand ist tot, es lebe der Vintage! Nun ist es cool, sich durch Flohmärkte und Tauschpartys zu graben und die errungenen Schätzchen dann, kombiniert mit der neuesten Mode, auszuführen.
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| Quelle: idealo.de |
Insofern sind Online-Tauschbörsen wie der Kleiderkreisel für mich eine Offenbarung:
Ich kann Kleidungsart, Größe, Farbe und Material angeben und genau das finden, was ich gerne haben möchte. Aber das ist nicht der einzige Vorteil in meinen Augen:
- Die Kleider sind getragen. Ok, das haben Tauschbörsen so an sich, aber der Punkt dabei ist, dass getragene Kleider (in hoffentlich den meisten Fällen) auch mehrfach gewaschen wurden. Und das reduziert die Schad- und Farbstoffe ganz erheblich. Kein Abfärben, kein Chemiegeruch, kein starres, hartes Gefühl des behandelten Stoffes. Es trägt sich wie das Lieblingsstück, das einen seit drei Jahren begleitet.
- Ich knüpfe Kontakte, wenn auch nur temporär. Es ist doch viel angenehmer, mit einem netten Mädel über den Preis des Shirts zu plaudern, als sich mit dem lausigen Kundenservice von Onlineshops oder der muffeligen, arroganten Kassiererin in einer Boutique herumzuärgern.
- Was auch gleich zum nächsten Vorteil führt: Die Preise sind verhandelbar. In einer Filiale kann ich mich nicht hinstellen und über Rabatte diskutieren, das führt fast immer zu genervtem Augenrollen (meist ist man nur bei Einzelstücken oder etwas beschädigter Ware bereit zur Kooperation). In Tauschkreiseln nimmt man dem Tauschpartner eben noch ein kleines Accessoire ab und bekommt das Shirt dann einen Ticken billiger.
- Ein gebrauchtes Teil mehr im Schrank ist ein neues Teil weniger in der Plastiktüte. Gut, dieses eine Teil wird die Näherin in Bangladesch nicht mitkriegen. Aber gerade bei solchen Konsum-Kleidungsstücken wie etwa Oberteilen, die in rauen Mengen gekauft werden, kann konsequentes Second Hand so einiges ausmachen.
- Ich rette ein (eigentlich noch völliges brauchbares) Kleidungsstück vor dem vorzeitigen Ende im Kleidersack oder gar im Mülleimer. Und das, weil es nicht mehr passt, unmodisch wurde, doppelt gekauft ist, noch nie getragen wurde, was auch immer.
- Ein Tausch = zwei glückliche Menschen. Was der andere nicht mehr haben und sehen mag, finde ich selbst vielleicht richtig toll.
Und schon hat mich ein Mensch zufrieden gemacht.
Ein Sterntaler 2.0 eben.
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